Ratgeber · Wohnen in Vorarlberg

Vorarlbergs Haushalte werden kleiner – was das fürs Wohnen bedeutet

In immer mehr Vorarlberger Haushalten lebt nur eine Person. Was diese Entwicklung tatsächlich aussagt – und was Suchende, private Vermieter und Eigentümer daraus ableiten können.

Stand · August 2026

Vorarlberg wächst, gleichzeitig leben im Durchschnitt weniger Menschen gemeinsam in einem Haushalt. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Haushaltsgröße bei rund 2,26 Personen. 36,8 Prozent der Vorarlberger Haushalte bestanden aus nur einer Person.

Damit sind Ein-Personen-Haushalte inzwischen die häufigste Haushaltsform im Land. Das bedeutet jedoch nicht, dass mehr als jeder dritte Vorarlberger allein lebt: Der Prozentwert bezieht sich auf die Zahl der Haushalte, nicht auf die gesamte Bevölkerung.

Die Entwicklung verändert, wie Wohnraum gesucht und genutzt wird. Sie sagt aber nicht automatisch, welche Wohnungsgrößen fehlen, wie sich Preise entwickeln oder wie viel eine bestimmte Immobilie wert ist.

Was sich in Vorarlberg gerade zeigt

Weniger Menschen leben gemeinsam unter einem Dach

Die durchschnittliche Haushaltsgröße ist in Vorarlberg über viele Jahrzehnte gesunken. Mitte des vergangenen Jahrhunderts lebten durchschnittlich noch deutlich mehr Menschen in einem Haushalt als heute.

Bei diesem langfristigen Vergleich ist zu beachten, dass sich die statistische Abgrenzung und Erhebungsmethode über die Jahrzehnte verändert haben. Die lange Zeitreihe zeigt deshalb vor allem die grundsätzliche Richtung und darf nicht als vollständig einheitliche Messung verstanden werden.

Die aktuelle Größenordnung für 2025 beruht auf hochgerechneten Daten der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria.

Ein-Personen-Haushalte sind die häufigste Haushaltsform

2025 bestanden 36,8 Prozent der Vorarlberger Haushalte aus einer Person. Paare ohne abhängige Kinder machten 25,3 Prozent aus, Paare mit abhängigen Kindern 20,6 Prozent.

Ein-Personen-Haushalte bilden damit die größte einzelne Haushaltsgruppe. Sie stellen mit 36,8 Prozent aber keine absolute Mehrheit aller Haushalte dar.

Auch der Begriff kann leicht missverstanden werden: Ein Ein-Personen-Haushalt beschreibt lediglich, dass eine Person allein in einer Wohnung lebt. Er sagt nichts darüber aus, ob diese Person ledig ist oder sich selbst als Single versteht.

Alleinleben hat unterschiedliche Gründe

Menschen leben in sehr unterschiedlichen Lebensphasen allein: beim ersten Auszug aus dem Elternhaus, während einer beruflichen Veränderung, nach einer Trennung, nach dem Auszug erwachsener Kinder oder nach dem Tod eines Partners.

Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungen an eine Wohnung. Manche Menschen benötigen wenig Fläche, andere ein zusätzliches Zimmer für Homeoffice, Gäste oder Betreuung. Für ältere Personen können Lift, Barrierefreiheit, kurze Wege und eine gute Anbindung wichtiger sein als die reine Quadratmeterzahl.

Aus der wachsenden Zahl der Ein-Personen-Haushalte lässt sich daher nicht ableiten, dass ausschließlich Einzimmerwohnungen gebraucht werden.

Wie sich Wohnbedürfnisse verändern können, zeigen die Wegweiser zu veränderten Wohnsituationen und zur Immobilie nach Trennung oder Scheidung.

Zahlenmoment

36,8 %

der Vorarlberger Haushalte bestanden 2025 aus nur einer Person.

Das ist der Anteil an allen Haushalten – nicht der Anteil der alleinlebenden Menschen an der gesamten Vorarlberger Bevölkerung.

Warum kleinere Haushalte den Wohnungsbedarf beeinflussen

Für den Wohnungsbedarf ist nicht allein entscheidend, wie viele Menschen in Vorarlberg leben. Ebenso wichtig ist, auf wie viele eigenständige Haushalte sich diese Menschen verteilen.

Wenn im Durchschnitt weniger Personen zusammenwohnen, werden für dieselbe Zahl an Menschen tendenziell mehr eigenständige Wohnungen benötigt. Das ist ein statistischer Zusammenhang, aber noch kein Beweis für einen bestimmten regionalen Wohnungsmangel.

Ob Wohnraum tatsächlich fehlt, hängt zusätzlich von Lage, Größe, Leistbarkeit, Zustand, Leerstand, Neubau, Wiedervermietung und den Bedürfnissen der suchenden Menschen ab.

Wie bedeutsam Ein-Personen-Haushalte in einem Teil des Vorarlberger Wohnungsmarktes sind, zeigt der gemeinnützige Wohnbau: Ende 2024 kamen 44,9 Prozent der Anträge auf eine gemeinnützige Wohnung von Ein-Personen-Haushalten. Bei den vergebenen Wohnungen betrug ihr Anteil 41,6 Prozent.

Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den gemeinnützigen Wohnbau. Sie dürfen nicht als Anteil der Nachfrage auf dem gesamten privaten Wohnungsmarkt verstanden werden.

Für Wohnungssuchende

Was bedeutet das für Wohnungssuchende?

Wer allein sucht, konkurriert nicht automatisch nur um die kleinste Wohnung. Entscheidend ist, welche Wohnsituation zum eigenen Alltag und zum verfügbaren Budget passt.

Darauf kommt es an

  • Gesamtkosten statt nur die reine Miete oder den Kaufpreis vergleichen.
  • Benötigte Zimmer realistisch festlegen.
  • Homeoffice, Stauraum und Besuchsmöglichkeiten berücksichtigen.
  • Auf Lift, Barrierefreiheit und kurze Alltagswege achten, wenn diese wichtig sind.
  • Verkehrsanbindung und Parkplatzbedarf ehrlich abwägen.
  • Den Suchradius nicht unnötig auf eine einzige Gemeinde begrenzen.
  • Im Suchprofil klar beschreiben, was wirklich benötigt wird.

Ein persönliches Suchprofil kann mehr aussagen als die bloße Angabe „eine Person“. Es zeigt privaten Eigentümern, welche Wohnung, Lage und Wohnform tatsächlich gesucht werden.

Weiterführend: Wohnung suchen in Vorarlberg

Für private Vermieter

Was bedeutet das für private Vermieter?

Die Haushaltsstatistik kann bei der Einordnung des Marktes helfen. Sie ersetzt aber nicht den Blick auf den einzelnen Menschen.

Ein-Personen-Haushalte sind keine einheitliche Zielgruppe. Alter, Beruf, Einkommen, Lebenssituation und gewünschte Wohndauer können sehr unterschiedlich sein.

Praktisch hilfreich ist

  • Gesamtmiete und laufende Kosten transparent angeben.
  • Zimmeraufteilung und nutzbare Flächen verständlich beschreiben.
  • Lift, Barrierefreiheit, Keller, Parkplatz und Verkehrsanbindung klar nennen.
  • Nicht automatisch davon ausgehen, dass eine alleinlebende Person nur kurzfristig mieten möchte.
  • Interessenten anhand nachvollziehbarer und sachlicher Kriterien prüfen.
  • Persönliche und sensible Daten geschützt behandeln.

Klare Angaben helfen Interessierten, früh zu erkennen, ob die Wohnung zum eigenen Alltag passt. Das reduziert unpassende Anfragen und unnötige Besichtigungen.

Weiterführend: Wohnung privat vermieten

Für private Verkäufer und Eigentümer

Was bedeutet das für private Verkäufer und Eigentümer?

Kleinere Haushalte können die Nachfrage nach gut nutzbaren, überschaubaren Wohnungen beeinflussen. Daraus lässt sich jedoch keine automatische Preis- oder Wertsteigerung ableiten.

Ob eine Immobilie für einen Ein-Personen-Haushalt interessant ist, hängt nicht nur von der Größe ab. Auch Grundriss, Lage, Leistbarkeit, Lift, Energieverbrauch, Zustand und laufende Kosten spielen eine Rolle.

Darauf kommt es an

  • Den Grundriss und die tatsächliche Nutzungsmöglichkeit klar darstellen.
  • Laufende Kosten und bekannte Sanierungen nachvollziehbar angeben.
  • Barrierefreiheit und Erreichbarkeit sachlich beschreiben.
  • Keine bestimmte Nachfrage oder Wertsteigerung versprechen.
  • Den Angebotspreis nicht aus allgemeinen Haushaltszahlen ableiten.
  • Für eine belastbare Immobilienbewertung eine qualifizierte Fachperson beiziehen.

Über NESTO können Eigentümer eine Immobilie privat sichtbar machen, ohne genaue Adresse oder Telefonnummer öffentlich anzugeben.

NESTO-Einordnung

Hinter jedem Haushalt steht eine eigene Lebenssituation.

Die Statistik zeigt, dass Vorarlbergs Haushalte kleiner und vielfältiger werden. Sie zeigt aber nicht, welche Wohnung ein bestimmter Mensch benötigt. Eine alleinlebende Person kann eine kleine Stadtwohnung, eine barrierefreie Wohnung, ein Zuhause mit Garten oder zusätzlichen Platz für Arbeit und Familie suchen.

Für private Eigentümer bedeutet das: Klare Angaben sind hilfreicher als Annahmen über eine vermeintliche Zielgruppe. Für Suchende bedeutet es: Ein persönliches Suchprofil kann Bedürfnisse sichtbar machen, die in einer klassischen Suchmaske kaum Platz finden.

NESTO verbindet deshalb nicht abstrakte Haushaltsgruppen, sondern konkrete Suchprofile und private Angebote aus Vorarlberg.

Häufige Fragen

Lebt mehr als jeder dritte Vorarlberger allein?

Nein. 36,8 Prozent bezeichnet den Anteil der Ein-Personen-Haushalte an allen Vorarlberger Haushalten. Da größere Haushalte mehrere Menschen umfassen, ist der Anteil der alleinlebenden Personen an der Gesamtbevölkerung deutlich niedriger.

Sind Ein-Personen-Haushalte dasselbe wie Singles?

Nein. Die Statistik beschreibt ausschließlich, dass eine Person allein in einer Wohnung lebt. Familienstand, Partnerschaft und persönliche Lebenssituation lassen sich daraus nicht ableiten.

Werden deshalb hauptsächlich Einzimmerwohnungen gebraucht?

Das lässt sich aus der Haushaltszahl nicht ableiten. Alleinlebende Menschen können je nach Lebensphase, Arbeit, Gesundheit und Alltag sehr unterschiedliche Wohnbedürfnisse haben.

Führen kleinere Haushalte automatisch zu höheren Wohnungspreisen?

Nein. Kleinere Haushalte können den Wohnungsbedarf beeinflussen. Preise hängen aber zusätzlich von Angebot, Lage, Leistbarkeit, Finanzierung, Zustand und vielen weiteren Faktoren ab.

Gelten die Zahlen zum gemeinnützigen Wohnbau für den gesamten Markt?

Nein. Die Antrags- und Vergabezahlen des Landes Vorarlberg beziehen sich ausschließlich auf gemeinnützige Wohnungen. Sie dürfen nicht direkt auf private Miet- oder Eigentumswohnungen übertragen werden.

Quellen

Hinweis

Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung öffentlich zugänglicher statistischer Informationen mit Stand August 2026. Er enthält keine Prognose und ersetzt keine Rechts-, Mietrechts-, Steuer-, Finanzierungs-, Immobilienbewertungs- oder Sozialberatung. Allgemeine Haushaltsdaten erlauben keine Aussage über den Bedarf, die Leistbarkeit oder den Wert einer bestimmten Wohnung.